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Montag, 11.09.2017

GVNW-Symposium: Der Brexit und die Folgen für die Industrieversicherung

Tobias Esser (Next Generation Holdings) stellte zu Beginn der Diskussionsrunde klar, dass sowohl ein Großteil der Bevölkerung als auch viele Politiker den Brexit nicht erwartet hätten und den Brexit vor allem aber nicht gewollt hätten. Dennoch müsse nach dem Ergebnis der Abstimmung geschaut werden, wie mit dem Austritt umzugehen sei. London ist und bleibe aber ein Marktplatz, der nicht so leicht repliziert werden könne. London werde das Zentrum der Industrieversicherung mit den dort über Jahren gewachsenen Gegebenheiten und Talenten bleiben, so die Einschätzung Essers.

Auch Benno Reischel von Lloyd's bekannte sich weiterhin klar für den Standort London und erklärte selbstbewusst, dass man im Unternehmen bereits eine Lösung für die Zeit nach dem Brexis erarbeitet hätte. Lloyds verstehe sich nicht als Versicherer, sondern als ein Marktplatz für Versicherungslösungen. Deshalb würde das Unternehmen einige Besonderheiten aufweisen, auf die es zu reagieren gilt. Man habe sich dazu entschieden, nach Brüssel zu gehen, um dort einen eigenen Standort aufzubauen. Dieser Schritt versetze Lloyd's in die Lage, die Geschäfte (und damit verbunden auch die Ratings) in gewohnter Weise weiterzuführen. Es würden sich keine Veränderungen für die Kunden bzw. Risk-Manager ergeben. Lloyd's Brüssel werde als Unterwriter agieren, in Großbritannien werde das Geschäft aber rückversichert. In welcher Höhe verhandele Lloyd's derzeit noch mit den Regulierungsbehörden.

Andreas Berger von Allianz Global Corporate & Specialty SE sieht das Beispiel von Lloyd's eher als Sonderfall. Für die meisten Player am Markt würden sich Lösungen ergeben, die keine Relocation nach sich ziehen. Wenn notwendig werde man eine entsprechende Lizenz erwerben und sein Geschäft fortsetzen.

Moderator Adrian Ladbury von Commercial Risk Europe stellte in diesem Zusammenhang aber noch eine andere wichtige Frage. Wo werden deutsche Unternehmen zukünftig ihre Versicherungslösungen platzieren? Für Tobias Esser steht fest, dass ein Unternehmen einen lokalen Anbieter wählt, wenn der Risk-Manager lokal auch das passende Angebot findet. London habe seine wichtige Stellung aber vor allem durch Sonderlösungen, sog. Nischenprodukte, bekommen. Hier werde London auch weiterhin eine starke Größe bleiben. Dr. Alexander Mahnke (GVNW. e.V.) pflichtete dem bei, wobei er betonte, dass die versicherungsnehmende Wirtschaft nach dem Brexit verstärkt auf "Compliance" achten werde. Anderenfalls werde kein Kunde den Weg über Brüssel nach London gehen.

Beim Thema "Talents" waren sich alle Beteiligten der Runde einig, dass derzeit wahrscheinlich kein Experte aufgrund der noch vorhandenen Unsicherheiten gerne nach London gehen werde. Und dass sei eine sehr unschöne Entwicklung, zumal klar erkennbar sei, dass die sog. "New Talents" gerade besonders an einer internationalen Ausrichtung interessiert seien, so Mahnke.

Das abschließende Fazit des Moderators am Ende der Podiumsdiskussion: Alle Versicherer müssen handeln und zwar schnell!

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