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Altersvorsorge 
Freitag, 08.09.2017

"Run off" bei Lebensversicherungen: Effizienzsteigerung oder Beinschuss?

Hintergrund

Dass eine enorme Effizienzsteigerung bei der Übernahme und Abwicklung von Lebensversicherungsbeständen durch Plattformen möglich ist, muss man nicht diskutieren. Die größere Masse senkt, bei professioneller Durchführung, natürlich die Kosten. Das ist sowohl für die Plattformen wie auch für die abgebenden Versicherungsunternehmen attraktiv. Dabei handelt es sich jedoch nur um einen kleinen Ausschnitt aus der Gesamtproblematik, denn endgültig erfolgreich kann eine solche Aktion nur dann sein, wenn auch der Vertrieb, also die Makler und Vermittler und die Kunden darin Vorteile, oder zumindest keine Nachteile, für sich sehen.

Makler und Vermittler

Lebensversicherung ist Altersvorsorge, weshalb bei der Akquisition von Neugeschäft die Themen Sicherheit und Vertrauen eine wichtige Rolle spielen bzw. spielten. Den Sicherheits-, aber auch den Vertrauensaspekt sahen die meisten LV-Kunden zu einem erheblichen Teil im guten Namen der Versicherungsgesellschaft. Diese sparten deshalb auch in der Vergangenheit nicht mit sog. Imagewerbung. Beispielhaft seien hier die Allianz und die Ergo genannt. Letztere hat sich bezeichnenderweise auch bereits schon entschieden, so das "Handelsblatt" in seinem Internetauftritt am 06.09.2017, die Bestände selbst abzuwickeln.

Der Versicherungsvertrieb nutzte von Alters her den guten Namen und den vertrauenerweckenden mit viel Werbegeld geschaffenen guten Ruf "seiner" Gesellschaft(en). Dieser Aspekt wurde im Vertrieb wegen der für Kunden und Vertrieb nur schwer verständlichen Konstruktion dieser Altersvorsorgeform auch dringend gebraucht.

Gerade erfolgreiche Makler und Vermittler arbeiten häufig für ihre Kunden lebensbegleitend, sodass Störungen im Vertrauens- und Sicherheitsbereich sich auf das Gesamtgeschäft auswirken können. Es erscheint deshalb spannend zu erfahren, wie die Kunden bei den bereits erfolgten "Run offs" reagiert haben. Für einen verwertbaren Erfahrungsbericht aus dem Versicherungsvertrieb ist es aber sicher noch zu früh.

Der Kunde/Versicherte

Die Altersvorsorge ist für viele Kunden der einzige Grund, Rücklagen zu bilden. In den letzten Jahren gab es viel Berichterstattung in den Medien zur schwindenden Attraktivität von Lebensversicherungen, dem bis dato wichtigsten Altersvorsorgeprodukt überhaupt. Viele Kunden sind verunsichert und deshalb sensibilisiert für sie nicht direkt nachvollziehbare Veränderungen in ihrer Altersvorsorge. Wenn der Brief mit der Benachrichtigung über den Bestandsverkauf an eine den Kunden meist nicht bekannte Institution auf dem Tisch liegt, dann dürften bei ihm oft die Alarmglocken schrillen, umso mehr, wie er gegen diesen Vorgang eigentlich nichts unternehmen kann ohne sich selbst zu schaden. Manchmal dürfte dann auch ein gutes Stück Grundvertrauen in "seinen" Makler und in "seine" Versicherung verloren gehen.

Fazit

Es ist zu hoffen, dass die Versicherer, die die Entscheidung "Run off" oder Abwicklung in Eigenregie noch nicht getroffen haben, auch die Gemütslage ihrer Kunden und die Situation ihres Vertriebs im Auge behalten.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Helmut Kapferer.

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